Sturmhöhe
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Moritz Th.
Erstes Buch, Kapitel I – III
Der wohlmeinende Pächter = Ich-Erzähler trifft in Wuthering Heights den äusserst unfreundlichen und erratischen Gutsherrn Heathcliff, umgeben von merkwürdigen Gestalten, die der Pächter Mühe hat einzuordnen, und mit ihm natürlich auch der Leser. Draussen tobt ein unbarmherziger Schneesturm, die Bewohner samt bissigen Hunden und Katze scharen sich um das Feuer. Der Pächter muss die Nacht in dem Gutshof verbringen und wird von Alpträumen heimgesucht, die sich nach dem Erwachen fortsetzen. Was für ein Auftakt! – Der Pächter selbst scheint eher menschenscheu, interessante zusätzliche Ebene.
«Lass mich ein – lass mich ein!»
Mr Lockwood wird von Catherines Geist heimgesucht, als er in einer Kammer von Wuthering Heights nächtigt.
Erstes Buch, Kapitel IV und V
Mr Lockwood, endlich wieder in Sicherheit auf seinem Pachthof, horcht seine Haushälterin aus über die Verhältnisse und die Vergangenheit der Bewohner von Wuthering Heights. Mrs Dean ist in einer ausgezeichneten Position, ihm und uns einen Einblick in die Vergangenheit zu geben… Einfache, unaufwendige Methode, um die Geschichte von Anfang an zu erzählen.
«Einmal abgesehen von ein paar belanglosen provinziellen Eigenarten lassen Sie in Ihrem Benehmen nicht die Spur von dem erkennen, was ich als bezeichnend für die Angehörigen Ihrer Klasse halte.»
Fast hätten wir vergessen, dass es ja Mrs Dean ist, die da Mr Lockwood die Geschichte von Wuthering Heights erzählt. Mit leicht zweifelhaften Komplimenten ermuntert Lockwood die Haushälterin mit der Geschichte fortzufahren.
«deshalb darf er nie wissen, wie sehr ich ihn liebe – und zwar nicht, weil er schön ist, Nelly, sondern er mehr ‘ich’ ist, als ich es bin.»
Das Geständnis von Cathy, das Heathcliff offenbar gerade nicht mehr belauschen konnte – den Teil zuvor schon, worin sie erklärte, dass sie ihn nicht heiraten könne, das wäre ein Abstieg. – Entscheidender Moment, Heathcliff wird Cathy diesen Verrat nicht vergeben. Eine bessere Quelle als Nelly Dean hätte sich Mr Lockwood nicht wünschen können.
Isabella und Catherine, Thema: Heathcliff
Die 18-jährige Isabelle gesteht Catherine ihre Liebe zu Heathcliff und ihre Eifersucht. Catherine, mit Isabelles Bruder Edgar verheiratet, tritt als Herrin des Hauses und Erwachsene auf, die den Teenager Isabelle in die Schranken weist. Man vergisst, dass die beiden denselben Jahrgang haben.
Kapitel XIII
Langer Brief Isabellas an Nelly, dank dem wir jetzt einen Teil der Geschichte aus ihrer Perspektive kennen: ihre Ehe mit Heathcliff die Hölle, sie bereut sie bitterlich, die Ankunft in Wuthering Heights ist absolut trostlos.
«’denn sie hielt mich wohl für einen romantischen Helden’»
Heathcliff über Isabella, zu Nelly. Nach der Heirat scheint Isabella Hethcliff auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein, und Heathcliff gibt sich keine Mühe, seine Verachtung für seine Ehefrau zu verbergen.
«’Warum hast Du Dein eigenes Herz verraten, Cathy?’»
Heathcliff zu der halb oder auch ganz ohnmächtigen Cathy, alles immer scharf beobachtet von der besorgten aber auch sehr neugierigen Nelly, die Heathcliff mit einem eifersüchtigen Knurren auf Distanz hält.
Streit Hindley / Heathcliff
Eskalierender Streit zwischen Hindley Earnshaw und Heathcliff, Isabella gerät ins Kreuzfeuer zwischen den zwei Scheusalen, sie wünscht beiden den Tod, Hindley zur eigenen, Heathcliff zu ihrer Erlösung. – Bald darauf verschwindet Isabella in den Süden, und verschwindet aus der Geschichte, allerdings hinterlässt sie einen Sohn, Linton.
«’Aber Sie wollen sicher keine Moralpredigten von mir hören, Mr. Lockwood, Sie können über all diese Dinge ebensogut urteilen wie ich, oder zumindest glauben Sie das, was auf das selbe hinausläuft.’»
Wieder mal zur Erinnerung: es ist die omnipräsente Nelly, die dem neuen Pächter Lockwood diese Geschichte erzählt. – Vielleicht auch eine kleine Mahnung an den Leser, sich nicht vorschnell Meinungen zu bilden und sich mit dem Urteilen zurückzuhalten?
Zweites Buch, Kapitel V
Kein ausgegorener Plan, als Edgar Linton mit seinem Neffen Linton nach hause zurückkehrt. Umgehend fordert Heathcliff die Auslieferung seines Sohnes, und Edgar gibt einfach nach, lässt das zarte Kind in das Haus des Verderbens ziehen. Dass man der jungen Cathy davon nichts sagen will, passt ins Bild: naiv, undurchdacht. Muss man das dem Plot ankreiden, oder passt das in die Figurenlogik?
«’Ich aber fing an, Linton mehr zu verachten als zu bedauern, und konnte es seinem Vater in gewisser Weise sogar nachsehen, dass er ihn so geringschätzte.’»
Nelly, etwas überraschend, mit Verständnis für Heathcliffs Verachtung für seinen Sohn, der hier vor Cathy herablassend über den «Bauerntölpel» Hareton redet. Heathcliff beobachtet genau die Reaktionen der jungen Leute, als Cathy auf ihre beiden so unterschiedlichen Cousins Hareton und Linton trifft.
«’Vom Mittagessen bis zum Tee sass sie in dieser vom Wind geschaukelten Wiege …’»
Die junge Cathy sitzt in den windgepeitschten Eiche, selbstvergessen, eins mit der Moorlandschaft, grossartiges Bild.
«’obwohl ich wirklich traurig war, dass Linton einen so missratenen Charakter hatte.’»
Catherine, die offenherzige, nach vielen Treffen mit dem kränkelnden Linton.
Lockwood, nicht nur aussenstehender Ich-Erzähler
Etwas unvermutet unterstellt Ellen alias Nelly dem Ich-Erzähler Mr. Lockwood (über hunderte von Seiten im Hintergrund), dass er in Cathy verliebt sei.
«Und ich unterliess es aus einer verzeihlichen Schwäche heraus, ihm die Augen zu öffnen…’»
Die allwissende Nelly erzählt Edgar nicht, wie es um den todkranken Linton steht. Nelly, eine Figur im Zwielicht, gibt sich hier selbst Pardon.
Heathcliff erzählt, wie ihn Catherines Geist heimgesucht hat.
Nelly erfährt von den Qualen, die Heathcliff litt, er redet mehr zu sich als zu ihr. Begründung für die schwer zu fassende Grausamkeit, mit der Heathcliff sich weiter an Catherine und ihrer Familie rächt. Vgl auch 430 pp., wo Heathcliff Nelly wieder Einblick gibt in sein Inneres, quasi auch als Rechtfertigung für sein Verhalten. Er hat da nicht mehr den Willen und die Kraft, sein destruktives Werk fortzusetzen, er scheint Hareton, die sosehr der älteren Catherine gleicht, und die junge Cathy aus seinem Klammergriff zu entlassen.
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«und diese körperliche Züchtigung war für ihn der einzige Weg die Rechnung zu begleichen und es seiner Peinigerin mit gleicher Münze heimzuzuzahlen.»
Catherine verspottet ihren Cousin Hareton, der nicht richtig lesen kann. Hier eine Stelle, wo die Übersetzung vielleicht nicht ganz akkurat ist. Hareton zahlt eben gerade nicht mit gleicher Münze heim. Im Original: “and a physical argument was the only mode he had of balancing the account, and repaying its effects on the inflicter.” (p. 333, Penguin Classics)
Zweites Buch, Kapitel XVIII
Catherine und Hareton werden zu einem Paar, Nelly schildert Mr Lockwood bei seinem letzten Besuch die Versöhnungsversuche Catherines. Es dreht sich darum, dass Hareton lesen lernt, die Versöhnung erfolgt bei der gemeinsamen Buch-Lektüre, schönes Bild.
«‹ dass beim Herrn das Fenster offen im Wind schwang und der Regen direkt ins Zimmer prasselte.'»
Heathcliff ist tot, und ganz offensichtlich hatte Catherines Geist jetzt Erfolg mit seiner Bitte «let me in», «lass mich ein», das der Ich-Erzähler zu Beginn der Erzählung hörte, s. p. 36.
Interessanter Nebenaspekt: Vermutlich kann sich die sonst allwissende Nelly keinen Reim auf das offene Fenster machen, das bleibt Lockwood und den Lesern vorbehalten.