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Besprechung für Das Buch vom Tee

Moritz Th. Keine Kommentare Kommentar hinzufügen
Besprechung:

Kakuzo Okakura publizierte „Das Buch vom Tee“ 1906, einer Zeit, als Japan sich nach dem Sieg im Krieg über Russland als einzige asiatische Grossmacht etabliert hatte. China dagegen hatte sich dem britischen Imperialismus beugen müssen. Man meint ein Gefühl der Überlegenheit gegenüber China zu verspüren in diesen Zeilen, selbst wenn die Herkunft des Tees aus dem Reich der Mitte anerkannt wird. Aber die japanischen Teemeister erscheinen hier als die wahren Verwalter des chinesischen Erbes.

Noch wichtiger als die Abgrenzung von China war für Okakura diejenige vom Westen. Er hat Europa bereist, eine Zeitlang in den USA gewohnt und die westliche Kultur gut gekannt. Aber das hat bei dem aus einer alten Samuari-Familie stammenden Kunstwissenschaftler dazu geführt, dass er sich stark auf das Eigene der japanischen Kultur besann, das er durch die westliche Industrialisierung bedroht sah.

Im „Buch vom Tee“ zelebriert er eine nutzenbefreite Ästhetik, die nicht der westlichen Logik von Perfektion und Symmetrie folgt. Im 16. und 17. Jahrhundert hatten die japanischen Teemeister aus dem Tee eine das ganze Leben durchdringende, zen-buddhistisch unterfütterte Philosophie geformt, aus dem Tee entstand der Teeismus. Harmonie und „heitere Ruhe der Seele“ in allen Lebenslagen waren die Gebote des Teeraums.

Wer im «Buch vom Tee» erwartet, über die verschiedenen Teesorten und ihre Zubereitung orientiert zu werden, der wird hier enttäuscht. Dafür lernt man viel über Blumen und wie sie im Sinn der Teeismus am besten gepflückt und dargeboten werden.

Wie aus dieser esoterischen Lehre eine sehr viele Lebensbereiche Japans durchdringende Ästhetik werden konnte, wie Okakura anführt, bleibt für uns im Westen ein kulturgeschichtliches Mysterium, selbst wenn man in Rechnung stellt, dass der Teeismus bald zu einem Instrument der Herrscherdynastien Japans wurde, und beispielsweise Teeschalen als Währung dienten. Bis heute hat man als Besucher Japans den Eindruck, dass das tägliche Leben einer einheitlichen, weit zurückreichenden Ästhetik unterliegt, sei dies im Textildruck, der Keramik, aber auch in der Darreichung von Speisen in Restaurants oder der Präsentation von Waren in den Läden.

Es ist Okakuras Verdienst, für uns im Westen die Wurzeln dieses Ästhetik freizulegen. Sein Buch hat etwas Patina angesetzt, aber es wird dadurch als kulturgeschichtliches Dokument noch reizvoller. – Die Illustrationen von Alexandra Klobouk und Eva Gonçalves in dieser Insel-Ausgabe sind hübsch anzusehen und recht farbig; man fragt sich allerdings, ob sie der eher dunkel gestimmten Ästhetik des Teeismus entsprechen.

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